Die Schwulen habens leicht: Sie sind wie der Sven Epiney Lieblingsenkel unserer Grossmütter, oder wie der Aeschbacher die Lieblingstunte unserer Tanten (und unserer Onkels). Oder gar wie Leonard – Repräsentant der tendenziell konservativ-ländlichen Freunde der Volksmusik.
Die Schweizerinnen und Schweizer lieben sie, hätscheln sie und schreiben über sie – als wäre die Schweizer Illustrierte ohne schwule Liebesgeschichten sinnlos. Homomänner seien hip und cool, nett und hübsch. Die Vorwürfe eines überfreien sexuellen Verhaltens ziehen längst nicht mehr. Sogar der heterosexuelle Mann lässt sich auf ein Feierabendbier mit dem schwulen Kollegen ein. Die Schweizerinnen und Schweizer sind ein einig Volk von Schwulenfreunden.
Und irgendwo stehen wir Lesben. Unbemerkt wie Mauerblümchen. Dabei geben wir uns Mühe der heterosexuellen Mehrheit zu gefallen: Wir kleiden uns bisweilen richtig sexy, tragen Absätze und langes Haar, schäkern mit Hetifrauen und mimen Kumpels von Hetijungs, die wiedereinmal Stunk mit Frauen haben. Wir gruppieren uns in Netzwerken und zeigen uns mit unseren Kindern in der Öffentlichkeit.
Doch nichts geschieht.
Noch immer gibt es in der Schweiz kein fesches Frauenpärchen, über das es sich zu Berichten lohnt. Noch immer keine Nachfolgerin auf Karin Rüfli im Schweizer Fernsehen. Dabei wäre die Publizität unserer Mitlesben so wohltuend und bereichernd. Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch machts vor: Sie ist die einzige, die wir bewundern dürfen. Die einzige, die in Schweizer Stuben ein Plätzli hat. Eine Lieblingsschwiegertochter. Warum nur sie? Sind wir Schweizer Lesben einfach nur langweilig?

Corine Mauch – soll sie die einzige Lesbe sein in der Schweizer Öffentlichkeit?

Ellen Degeneres und angetraute Portia DeRossi – Ein Vorzeigepärchen.

Lindsay Lohan und DJ Samantha Ronson – Lieber Skandale als gar keine News zu Lesben.

Anne Will und Miriam Meckel – Intelligenz meets Schönheit oder vice versa. Unsere deutschen Vorreiterinnen.
5 Kommentare
Summervogel
29|Jun|2009 1Aha, die neue Blogerin oder Blogorinne in Action - super!!
Die Unsichtbarkeit der Schweizer Lesben, ein absolut leidiges Thema…
Vorschlag: eine Mobilisierung per Aufruf über die Medien, die lieben Ungeouteten mögen doch bitte den Coming-out-day 2009 vom 11. Oktober nutzen??
Geko
03|Jul|2009 2Schweizer Lesben sind nicht langweilig!!!
la luna
03|Jul|2009 3traurig aber wahr - oft sind wir unsichtbar!
oder wenn, dann als hässliches klischee von frauen die sooo unattraktiv sind, dass sie keinen mann abbekommen - die frau für die frau als als ersatz für den mann der keine solche (unattraktive frau) mag: gehört im zug nach zürich, zwei jungen frauen unterhalten sich!
Ulla
06|Jul|2009 4Hoi zäme
Ja, das von den hässlichen Lesben, die keinen Mann finden, habe ich auch schon gehört. Wie wäre das dann bei den Männern?
Als ich kürzlich einer Arbeitskollegin von Wybernet erzählte, weil ich sie nach Werbetexten für den letzten wybernet-Abend fragte, fragte sie mich entsetzt, was wir denn da so tun würden. Auch da ein Klischee, das ich korrigieren konnte: Was tun Lesben, wenn sie zusammenkommen?
Da fällt mir gerade ein Buchtipp ein: “Psychoanalyse der lesbischen Sexualität” von Manuela Torelli, Psychosozial-Verlag. Kann im Frauenbuchladen von Bern bestellt werden.
Ulla
Politessa
07|Jul|2009 5Eine lesbische Stadtpräsidentin für Zürich ist natürlich ein absoluter Meilenstein, aber Corine Mauch ist nicht die einzige ‘Bekennende’ in der Schweizer Politlandschaft, wenn wir den Blick gen Westen richten: Dr. Marianne Huguenin, Stadtpräsidentin von Renens VD, und Barbara Schwickert, Mitglied der Stadtregierung von Biel, hatten sich - explizit als Lesben - engagiert fürs Partnerschaftsgesetz eingesetzt. Chapeau, und danke allen für den Mut, öffentlich zu ihrer sexuellen Orientierung zu stehen!
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