Aus für die Frauenzeitung «FraZ»

22.07.2009 - 11:54 Uhr

Quelle: SDA, Monika Freund

Die «FraZ», das einstige Sprachrohr der Schweizer Frauenbewegung, wird eingestellt. Schuld daran ist für einmal nicht die Wirtschaftskrise, sondern das stetig sinkende Interesse an Frauenfragen.

Vor allem jüngere Frauen hätten heute nur noch wenig für solche Themen übrig, sagte Co-Geschäftsführerin Monica Vanoni auf Anfrage der SDA. «Und dies, obwohl die Diskussion immer noch nötig wäre.»

Mitdiskutieren wollten am Schluss tatsächlich nur noch wenige: Die «FraZ» zählt noch eine Auflage von 2500 Exemplaren. Nur 1200 Leserinnen haben ein Abonnement, viele davon sind zwischen 40 und 60 Jahre alt und dem Blatt seit seinen Anfängen treu.

Als die Frauenbewegung noch aktiv war, hatte die «FraZ» eine Auflage von bis zu 4500 Exemplaren (1987). Ab Mitte der 1990er Jahre ging es mit den Zahlen dann kontinuierlich bergab.

Ein neues, modernes Layout sollte noch im Jahr 2008 junge Frauen ansprechen. «Die Massnahme kam aber leider zu spät», sagte Vanoni. Drei Teilzeitmitarbeiterinnen verlieren ihre Stelle, dazu kommen mehrere freischaffende Journalistinnen und Fotografinnen, die ebenfalls betroffen sind.

Düster sieht es aber nicht nur bei den Leserzahlen aus, sondern auch in der Vereinskasse: Der «FraZ»-Redaktion fehlen noch mehrere tausend Franken, um eine Abschiedsnummer zu produzieren. Vanoni zeigte sich aber zuversichtlich, das Geld noch auftreiben zu können.

»Viele Forderungen sind erfüllt»
Christine Goll, Zürcher SP-Nationalrätin und ehemalige FraP!- Politikerin (»Frauen macht Politik!») kann sich noch gut an die Anfänge der «FraZ» erinnern. «Ich habe sie regelmässig gelesen.» Das Blatt sei ein wichtiges Sprachrohr der Frauenbewegung in den 1970er und 1980er Jahren gewesen.

1975 erschien die «FraZ» zum ersten Mal, damals noch unter dem Namen «Frauezitig». Gedacht war sie als internes Kommunikationsorgan der autonomen Frauenbewegung, erst später richtete sie sich an ein breiteres Publikum. Produziert wurde sie von Anfang an mit wenig Geld und viel ehrenamtlicher Arbeit.

Dass die «FraZ» nun, nach fast 35 Jahren, eingestellt wird, findet Goll zwar bedauerlich, aber auch nachvollziehbar. «Viele der damaligen Forderungen sind erfüllt, zum Beispiel Frauenhäuser und Nottelefone.» Da sei es verständlich, dass der Enthusiasmus nachlasse.

Überflüssig seien Frauenthemen deswegen aber keineswegs, im Gegenteil, betont Goll. In der Schweiz gebe es beispielsweise immer noch keine Lohngleichheit.

Beautytipps und Promigeschichten
Dass Frauenthemen immer noch aktuell sind, findet auch Monica Jeggli, ehemalige Geschäftsführerin der «FraZ.» Es habe sich aber ein gewisser Überdruss eingestellt. «Eigentlich ist doch alles bereits gesagt», sagte sie. «Es hapert aber bei der Umsetzung im Alltag - beispielsweise bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.»

Dass die «FraZ» ihr Publikum verloren hat, liegt für Jeggli aber auch daran, dass Frauenthemen in vielen anderen Medien einen Platz gefunden haben. «Bis Anfang der 1990er Jahre musste man eine Frauenzeitung kaufen, um etwas über solche Themen zu lesen.» Niemand sonst habe darüber berichten wollen.

Genau wie Co-Geschäftsführerin Vanoni beobachtet auch Jeggli, dass sich junge Frauen heute nur noch begrenzt für Frauenthemen interessieren - jenseits von Lifestyle, Beautytipps und Promigeschichten. Es sei offenbar nicht gelungen, aus der Tradition der Frauenbewegung etwas zu entwickeln, das auch junge Frauen anspreche. Was damals frisch und frech gewesen sei, gelte heute als verstaubt.

Eine gute Zeitschrift für junge Frauen zu finden, ist ihrer Ansicht nach schwierig geworden. Sie muss nach Deutschland verweisen, zum «Missy Magazine». «Es bringt auf witzige Art Feminismus und Popkultur zusammen.»

Frauenbewegung wird dokumentiert
Ganz zurückziehen wollen sich die Zeitungsmacherinnen aber nicht. Sie planen, «FraZ»-Artikel von den Anfängen der Frauenbewegung bis heute ins Internet zu stellen. So werde die Geschichte lebendig gehalten. Wer weiss, sagt Jeggli, vielleicht gibt es ja irgendwann eine neue Frauenbewegung.

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