Portugals erste Homo-Ehe: Heirat von zwei lesbischen Frauen

08.06.2010 - 11:27 Uhr

Portugal ist seit Montag das sechste Land in Europa, das Ehen zwischen Partnerinnen oder Partnern des gleichen Geschlechts erlaubt. Zwei Frauen, die dafür gekämpft und sich im Gegensatz zu vielen Schwulen und Lesben zu ihrer Orientierung bekannt hatten, weihten die entsprechende Gesetzesänderung ein. Grosse Aufmerksamkeit fanden am Montagmorgen Helena Paixäo (40) und Teresa Pires (33), als sie sich in Lissabon das Jawort gaben. Sie taten dies in Alltagskleidung bei demselben Standesamt, das ihnen vor vier Jahren die Trauung verweigert hatte.

Zugegen waren rund 30 Gäste, unter ihnen die beiden minderjährigen Töchter aus früheren Ehen der Bräute, die sich in den letzten Jahren sozial gebrandmarkt fühlten und innerhalb Portugals mehrmals umgezogen waren. «Wir leben jetzt in einem gerechteren Land» sagte der Anwalt Luis Grave Rodrigues, der die Frauen viereinhalb Jahre lang kostenlos vertreten hatte, telefonisch der NZZ. Seit 2004 verbietet Portugals Verfassung die Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung. Klagen vor den ordentlichen Gerichten scheiterten aber. Also zogen die Frauen vor das Verfassungsgericht, das 2009 aus dem Verbot der Diskriminierung kein Recht auf Homo-Ehen ableiten wollte, diese aber auch nicht verfassungswidrig fand und die Klärung dieser heiklen Frage im mehrheitlich katholischen, offiziell aber laizistischen Land so letztlich dem Gesetzgeber überliess. Anfang dieses Jahres billigte eine linke Mehrheit im Parlament die Homo-Ehe, anders als in Spanien aber ohne das Recht zur Adoption. Nur widerwillig promulgierte der konservative Staatspräsident Cavaco Silva im Mai dieses Gesetz. Er wollte, wie er sagte, dem Land in seiner schwierigen wirtschaftlichen Lage unnützen Streit ersparen, äusserte in Anspielung auf die eingetragenen Partnerschaften in anderen Ländern aber eine Präferenz für eine juristische Kompromisslösung als Alternative zur Ehe. Weil er kein Veto gegen das Gesetz einlegte, handelte er sich Kritik der Amtskirche ein.
Quelle: NZZ

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